Jetzt sind wir offiziell! Türen auf für Nachbarn und Gäste aus Werder

10. Januar 2015  |  Mitglieder erzählen über das Uferwerk |  von Tim Riemann

Die spannende Übergabe des (wahrhaftig!) Goldenen Schlüssels fand schon im Oktober statt. Schweißbäche in den Wochen zuvor bei allen Mitgliedern. Und vor allem für diejenigen, die unmittelbar, und streckenweise rund um die Uhr, in das Übergabeprotokoll involviert waren. So eine Immobilie am See geht schließlich nicht einfach mal so über den Tisch. Schon gar nicht, wenn die eine Vertragspartei aus fast 80 Mitgliedern besteht, die ihrerseits absolutes Neuland betreten.

Da gibt es doch einiges zu bedenken und besprechen. Etwa eintausend neue Dinge jeden Tag Und jeder Fehler kostet. Das Vertrauen der anderen Mitglieder im Nacken, nebenher Familie und Beruf …, klare Sache, da haben sich die Mitglieder wirklich eine kleine Verschnaufpause verdient …

ein paar Wochen lang haben wir (fast) nichts anderes getan als Feiern und Genießen.

Nach mehreren Jahren Entwicklung der Genossenschaft und Objektsuche wollten alle einfach nur den Spirit des Geländes und seiner Gebäude aufnehmen. Wie fühlt es sich an, jetzt hier zu sein, als Eigentümer? Einhelliges Urteil: Wunderbar!

Natürlich sind wir bei aller Schwärmerei pragmatisch vorgegangen. Ein typisches Merkmal unserer Gruppe (Anm. des Autors). Wir haben unsere Versammlungen und Veranstaltungen ab sofort auf dem neuen Gelände abgehalten und sofort Miete eingespart. Klingt logisch, war aber gar nicht so einfach.

Bevor wir nämlich mit den neuen Heiz-Dimensionen soweit klar gekommen sind, dass uns die Kälte nicht schon beim Betreten der Räume den Atem verschlagen hat, verging doch einige Zeit. Einige Schniefnasen und heisere Hälse später kriegen wir die Bude so halbwegs auf gastliche Temperaturen, was will man mehr.

Einige von uns sind auch sofort eingezogen, da gab doch es einiges zu tun. Nebenher Platz schaffen für uns – als Genossenschaft mit straffem Programm. Der große Versammlungsraum bspw., in dem wir am 17. Januar unsere Gäste begrüßen konnten, war eine … Fabrikhalle. Ihr ein Minimum an gastlichem Charme zu verleihen, hat wiederum viele Hände und Stunden gekostet, so gehen die Wochen ins Land.

Wie sieht das eigentlich für unsere neuen Nachbarn aus, was wir da so auf dem ehemaligen Betriebsgelände SGW so treiben? Werder ist gut vernetzt, manches wird sich rumsprechen, die ersten Kontakte sind ohnehin geknüpft … seit Beginn des Jahres hat uns auch die Frage beschäftigt, wie wir in Werder ankommen wollen.

Als Menschen, das ist klar. Als Nachbarn, selbstverständlich. Wir kommen aber auch als ein Unternehmen nach Werder und als ein Wohnprojekt, wie es viele sicherlich aus den Medien als neuen Trend kennen, aber noch nicht aus der Nähe beobachten konnten. Wie gehen wir auf unsere Nachbarn und auf Werder zu, so dass unsere Nachbarn aus Werder gern auf uns zugehen? Gar nicht lange nachgedacht, wir vertrauen auf die berühmte Brandenburger Lebensart und Offenheit. Und wir benehmen uns, wie wir sind. Echt.

Echt neugierig auf Werder, echt offen für bunte Lebenswelten, echt gastfreundlich.

Nebenher echt höflich. Wir kommen ja auch als Unternehmen in Werder an und als solches begegnen wir Erwartungen und haben Gepflogenheiten zu beachten, das ist uns klar. Genau darauf haben wir uns ein Jahr lang vorbereitet. Einen neuen gemeinsamen Namen gefunden, ein Logo ebenso, dazu alle Informationen versammelt, die andere Menschen interessieren könnten – das ist bei fast 80 Menschen mit unterschiedlichsten Geschmäckern und Ideen gar nicht so einfach wie’s klingt.

Durchzugsstark im Team. Party pünktlich zum Termin.

Pünktlich zum „Eröffnungstag“ waren die Vertreterinnen der Stadt Werder informiert und alle Nachbarn eingeladen, es gab eine richtig schicke Broschüre und genügend heiße Getränke, um sich nach gemeinsamen Rundgängen mit den Planern und Mitgliedern der Genossenschaft ordentlich aufzuwärmen, Sanitär dienstbar, Heizung auf Volltouren. Alles da. Willkommen!

Am Ende des Tages sind alle anwesenden Mitglieder begeistert. Hand in Hand von Empfang bis Abschiedsrunde am Lagerfeuer, das lief wie am Schnürchen. Reibungslos. Einer für alle und so weiter.

Manche von uns hatten richtiges Lampenfieber, vielleicht sogar ein wenig Sorge: Werden wir hier in Werder aufgenommen mit unserem noch recht ungewöhnlichen Wohn- und Lebenskonzept. Wie reagieren die Nachbarn? Welchen Fragen werden wir begegnen? Müssen wir erst einmal Vorurteile abbauen?

Nichts dergleichen. Eine vom ersten Moment nachbarschaftliche Atmosphäre, bestimmt von vorbehaltloser Neugier, Interesse an den neuen Menschen, Brandenburgischer Lebensfreude und Herzlichkeit …

Fühlt sich gut an, dieses Werder.