Spannung bis zur letzten Minute

1. November 2014  |  Mitglieder erzählen über das Uferwerk |  von Mirko Kubein

Mittlerweile ist es Herbst und unser genossenschaftliches Wohnprojekt hat viele extreme Hürden überwunden, von denen wir einige erwähnen sollten. Im März hatten wir zunächst die Aufnahme neuer Mitglieder drosseln müssen. Weil wir ein Mehr-Generationen-Projekt sein wollen und der Interessentenstrom insbesondere aus jungen Familien bestand, mussten wir schon zu diesem Zeitpunkt den meisten von ihnen die Hoffnung nehmen, in unserer Genossenschaft in absehbarer Zeit einen Platz zu finden.

Das ist einerseits schade, andererseits haben dadurch einige „ältere“ Menschen den Weg zu uns noch gefunden.

Mit diesem Mitgliedergrundstamm sind wir dann über den Sommer in einen intensiven Prozess der letzten baulichen Entscheidungen eingetreten. Was soll wie und wo gebaut werden? Wie kann das Außengelände gestaltet werden? Und: Wer will wo wohnen? Besonders der letzte Punkt, die Wohnungsverteilung hatte uns im Vorfeld Sorgen bereitet, denn die Streitereien um die besten Sonnenplätze schienen vorprogrammiert zu sein. Dass nun doch jede/r ohne größere Schwierigkeiten seinen/ihren Platz gefunden hat, liegt wohl hauptsächlich an dem fantastisch ausgewogenen Grundstück. Es bietet sehr viel schöne Substanz und viel Platz für Neues, wo die unterschiedlichsten Wohnbedürfnisse erfüllt werden können. Und ja, die Geschmäcker sind wirklich verschieden!

Parallel zu unseren Planungen bereitete der alte Besitzer des Grundstücks den Rückzug und Umzug seines weiter laufenden Betriebes mit 80 Mitarbeitern vor. Dazu gehörten am Ende auch die Altlasten-Sanierung und der Abriss der „Halle 13“. Trotz Bodengutachten befürchteten manche von uns, dass im Boden des Schaltgerätewerkes Werder (SGW) noch mehr als die ermittelten Gefahren aus längst vergangenen Zeiten der industriellen Nutzung schlummern könnten. Und so waren wir alle sehr froh, als uns nach Abschluss der Arbeiten die Umweltbehörde ziemlich flott einen „Persil-Schein“ ausstellen konnte. Das Feld war nun theoretisch frei.

Aber das „dicke Ende“ sollte noch kommen: das Geld für die letzte und größte Kaufpreisrate. Die Details erzählen sich die, die dabei gewesen sind später am Lagerfeuer. Alle anderen können nur ahnen wie viel Einsatz unseres ehrenamtlich tätigen Vorstands sowie der Projektentwickler nötig war, um das Darlehen der GLS-Bank termingerecht und sprichwörtlich „in letzter Minute“ auf dem Notaranderkonto abzuliefern. Manche sagen es ist ein Wunder, dass es doch noch geklappt hat. Ja, beinahe hätten wir unser Ziel verfehlt.

Hui. Und Danke!